Auch unser endgültiger Verkostungsraum bekommt daher eine lange Tafel, gemütlicher Treffpunkt für die gemeinsame Verkostung. Auch den Picknickplatz auf dem Weinkeller können Sie bereits nutzen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Jetzt hatte ich mir ja eigentlich vorgenommen dieses Jahr gar nichts Politisches zu schreiben. Aber in der gestrigen „Zeit“ und im Deutschlandfunk wurde das 70-jährige Jubiläum des Grundgesetzes gewürdigt, und da drängt sich einfach ein weinpolitischer Verweis auf. In Deutschland gilt bis heute ein Weinrecht, bei dem die Weine, ähnlich wie im Grundgesetz die Bürger, als gleichberechtigte Individuen betrachtet werden. Jeder Wein wird nach seiner individuellen Reife klassifiziert. Dieses System hat sich wohl wegen der klimatischen Grenzlage und der unterschiedlichen Jahrgangsgüte (2018 sic!) sowie der Hauptsorte Riesling entwickelt, aber ist bei der Neufassung des Weinrechtes 1971 auch zweifellos Ausdruck eines auf Gleichberechtigung und Demokratie basierenden Staatswesens gewesen. Vielen Protagonisten der deutschen Weinwirtschaft war die soziale Ungleichheit und Profilierungsmöglichkeit dieses Weinrechtes wohl zu gering und sie schauten mit Neid auf das Bordeaux oder besonders ins Burgund, wo die Klassifikation von Herkünften zum Teil exorbitante Preise hervorbrachte.

Bereits 1997 hat der Schutzverband Deutscher Wein in einem Rechtsgutachten befunden, dass in Deutschland eine Klassifikation von Lagen grundgesetzwidrig sei, insbesondere im Sinne einer Ungleichbehandlung nach Art. 3 Abs. 1 GG, denn die Lage ist alleine noch nicht qualitätsbestimmend. Nun hält nach zweifelhaften privatrechtlichen Lagenklassifikationen der Neofeudalismus auch ganz offiziell Einzug in Deutschland. Der Gesetzgeber zieht sich bei der geplanten herkunftsbasierten Qualitätsabgrenzung (einer am Ende faktischen Herkunftsklassfikation) vorsorglich zurück und überlässt den Winzern und Kellereien die Verwaltung der Herkunftskriterien in Eigenregie. Eigenverantwortung stärken! Denn wenn sich die Erzeuger ihre Grundrechte in sogenannten „Schutzgemeinschaften“ selbst beschneiden, ist das rechtlich legitim. Schöne deutsche Weinwelt. Ein Prosit auf 70 Jahre Grundgesetz!

Ihr Florian Weingart und Familie

Der Jahrgang